Bühl. Bei der Verabschiedung von Gabriele Krämer, Schulleiterin der Elly-Heuss-Knapp-Schule (EHKS), in den Ruhestand hat Anja Bauer, Abteilungspräsidentin im Regierungspräsidium Karlsruhe, die hoch geschätzte Pädagogin so charakterisiert: „Mit ihr geht eine Schulleiterin, die mit Fachkompetenz, Menschlichkeit und klarer Haltung überzeugt hat … Ihre Fähigkeit, die Schule als Ort des Lernens und des Miteinanders zu gestalten, bleibt unvergessen – und wird weiterwirken.“
Der stellvertretende Schulleiter Klaus Boujong moderierte die Abschiedsfeier am Montag in der voll besetzten Schul-Aula. Dabei erwiesen zahlreiche Repräsentanten von Schulträger, Schulverwaltung, Schulen der Region und des Kreistags, dazu ehemalige Kollegen und Mitarbeiterinnen der scheidenden Schulleiterin Reverenz.
Insgesamt zwanzig Jahre hat Gabriele Krämer die Schullandschaft in Bühl mitgeprägt, zuerst elf Jahre als stellvertretende Leiterin der Handelslehranstalt und danach als Leiterin der EHKS.
Bauer zeichnete den Bildungsweg Krämers nach. Diese habe Deutsch, katholische Religion und Latein fürs gymnasiale Lehramt studiert. Das Referendariat habe Krämer an beruflichen Schulen in Kehl absolviert. „Geprägt von Ihrer Herkunft aus einer bäuerlichen Handwerkerfamilie im Schwarzwald, erlebten Sie hier, dass die beruflichen Schulen der richtige Ort für Sie waren“, wandte sich Bauer an Krämer. Vielfalt, Inklusion, Frauenförderung, soziale und kulturelle Teilhabe seien Leitlinien Krämers gewesen, und die Demokratiebildung habe ihr besonders am Herzen gelegen, betonte Bauer.
Sie stellte Christian Schröder vor, der am 1. August die Nachfolge als Schulleiter antreten werde. Der in Nordrhein-Westfalen Geborene habe Anfang 2006 das Studium an der Fachhochschule Lemgo als Diplomingenieur Lebensmitteltechnologie abgeschlossen. Schröder habe sich auf eine Direkteinsteigerstelle für die Fächer Nahrung und VWL/BWL an der Gewerbeschule Baden-Baden, die heute Louis-Lepoix-Schule heißt, beworben. Deren Schulleiterin Gabriela Krellmann habe das Regierungspräsidium darauf aufmerksam gemacht, dass Schröder ein Kollege sei, dessen Potential sich im Schulsystem – auch auf Leitungsebene – gut entfalten könne, berichtete Bauer.
Träger der EHKS ist der Landkreis Rastatt. Dezernent Burkhard Jung, der den Dank von Landrat Dr. Christian Dusch an Krämer überbrachte, würdigte deren Wirken. Er attestierte ihr: „Sie haben sich nicht damit begnügt, Nachhaltigkeit als Schlagwort in einem Schulprogramm zu führen. Sie haben gemeinsam mit Ihrem Team Projekte auf den Weg gebracht, die heute weit über die Schule hinausstrahlen.“ Unter anderem nannte er Kooperationen mit Klinikum Mittelbaden und Nationalpark Schwarzwald, Projekte zu Geschlechtergleichheit, Klimaschutz sowie Förderung von Demokratie und Toleranz.
Die EHKS habe unter der Leitung von Krämer eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Stadt Bühl gepflegt, lobte Bürgermeister Daniel Fritz. Hans-Peter Kußmann, Vorsitzender der Direktorenvereinigung Hauswirtschaftliche Schulen, würdigte die Weitsicht Krämers: So habe diese für die Praxisintegrierte Ausbildung von Erzieherinnen höchst engagiert gekämpft.
Ein gesungenes Grußwort gaben der Örtliche Personalrat und dessen Vorsitzende Celina Lauren-Pien der Schulleiterin mit: „Nein, sorg’ Dich nicht um uns, Du weißt, wir lieben die ‚Elly’.“ (Dies ist das Sympathie-Kürzel für Elly-Heuss-Knapp-Schule.) Mit Weitblick und Menschlichkeit habe Gabriele Krämer die „Elly“ zu einem Ort gegenseitigen Respekts geformt, schloss sich Tatjana Beik an, die für die Schülerschaft sprach. Vorsitzende Margit Seyfried würdigte Krämers Wirken für die positive Entwicklung des Fördervereins.
In den Abschiedsworten zog Gabriele Krämer dieses Resümee: „Ich habe an der ‚Elly’ etwas gefunden, was mich seit meiner Jugend umtreibt, was ich immer als wichtiges Ziel im Leben gesehen habe: Menschen mit ihren vielfältigen Begabungen, Anlagen, Prägungen wahrzunehmen, zu würdigen, wertzuschätzen und zu fördern. Wir an der ‚Elly’ arbeiten für Vielfalt, für Weiterentwicklung, für Lernen ein Leben lang.“ Wie unglaublich viele Menschen sie als wertvoll fürs Gelingen ihrer Arbeit erachtet, zeigte sich in den Dankesworten Krämers.
Wie Christian Schröder deren Werk weiterführt, ließ seine Vorschau erahnen: „Jeder Mensch verdient eine faire Bildung. Lernen muss zielgerichtet sein und gleichzeitig Spaß machen.“
Die Kreativität der „Elly“, besonders durch deren Sozialpädagogische Fachschulen beflügelt, spiegelte sich in der Feier wider: Die Klasse 1BKSP2 verlieh ihren Gefühlen musikalischen Ausdruck: „Wir singen Dir ein Lied mit Herz, vertreiben so den Abschiedsschmerz.“ Angelo Achante Flores, Philip Düttmann und Tatjana Beik aus der Klasse PIA 3 schlossen sich mit einem emotionalen Lied zur Gitarre an.
Lehrerin Susanne Merkel gelang es, das Auditorium in ein Orchester zu verwandeln: Die Gäste spielten auf nach Tonhöhen abgestimmten Plopp-Röhren Beethovens „Ode an die Freude“. Ungeprobt, doch erstaunlich gut, war dies das festliche Finale einer bewegenden Abschiedsfeier.
(Bild und Text: Werner Vetter)
Herzlichen Dank an Herrn W. Vetter Bühl für die Bereitstellung von Text und Bild.
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